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Pressemitteilung vom 16.11.2000

Tolle Knollen
Kartoffelanbau ist immer noch Arbeitsintensiv
Bäuerin Ute Hahn muss viel Handarbeit verrichten -
Winter- und Frühkartoffeln wollen sorgsam behandel sein

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SELTERS. Rund 70 landwirtschaftliche Betriebe haben sich der Gemeinschaft Wetterauer Direktvermarkter angeschlossen.  In Hofläden und auf Bauernmärkten verkaufen sie ihre Produkte direkt und ohne Zwischenhändler an die Kundinnen und Kunden.
Einer der Direktvermarkterbetriebe ist der von Ute und Helmut Hahn in Ortenberg/Selters

Selbstbewußt sind sie, die Hahns. Die Hofeinfahrt wird von einem mächtigen Gockel aus Ton gesäumt. Der große Hof, unterhalb der Kirche gelegen, gehörte früher direkt zum Eigentum und Besitz der Kirche. "Direktvermarktung hat Tradition bei uns", sagt Ute Hahn, die gemeinsam mit ihrem Mann Helmut schon in der 5. Generation den Familienbetrieb in Ortenberg-Selters führt. Ihre Eltern, Helmut und Hilde Mäser, waren es, die bereits vor vielen Jahren damit begonnen hatten, die Kunden direkt  zu beliefern. Dabei galt damals die Devise", daß der Anbau zu viel Arbeit mache und nichts  einbringe", erinnert sich der 70-Jährige Helmut Mäser.
Seine Kartoffeln waren beliebt und das nicht nur in Ortenberg: "Mein Vater lieferte sogar bis nach Lauterbach aus - immer die Bundesstraße 275 hoch." Heute haben sich die Verbrauchergewohnheiten geändert. Viele Kunden kaufen direkt ab Hof,  weil die wenigsten Keller den dicken Knollen optimale Lagerbedingungen bieten können, denn so richtig wohl fühlen sich Kartoffeln erst bei kühlen drei bis vier Grad über Null. Ute und Helmut Hahn haben ihren Betrieb deshalb umgestellt und die Lagerkapazität erweitert.

Zum Hof gehören rund 30 Hektar, von denen der größte Teil für Getreide und ein Drittel für Kartoffeln reserviert ist. Zehn Sorten werden angebaut  mehr als früher, denn der Ver - brauchergeschmack ist wählerischer geworden, verlangt für Pommesfrittes eine feste und für Püree eher eine weiche Grundbirne, wie die Knollenfrucht, bei der sich, die Experten
bis heute streiten, ob sie zum Gemüse zählt, auch heißt. Viele altbewährte Sorten, wie "Ackersegen", sind inzwischen ganz vom Markt verschwunden.  Auf Hahns Kartoffelacker finden sich Sorten mit blumigen Namen: "Rosara" zum Beispiel, eine rote und feste Früh- Kartoffel, die nicht jeder hat oder "Secura", eine festkochende Winterkartoffel, die am Markt verkauft wird. Im Gegensatz zu ""Sandra", die "ruhig im Lager ist", wie Ute Hahn fach- männisch sagt, will heißen: "Sandra" keimt nicht so schnell und ist eher zum Lagern geeignet. Und was das Lagern angeht, verzichtet die Kartoffelbäuerin auf chemische Zusätze die das Keimen verhindern sollen.
Anbau und Ernte
10 Hektar, 100.000 Quadratmeter Anbaufläche, auf der nichts anderes wächst als Kartoffeln, bewirtschaften die Hahns - große Dimensionen. Es gab Zeiten, in denen die Knolle etwas Besonderes und nur in beschaulichen Botanischen Gärten oder als Arznei- mittelpflanze in Apothekergärten zu finden war.  Ihre Karriere als große Kulturpflanze, begann im 18. Jahrhundert, als nach dem Siebenjährigen Krieg durch Bevölkerungswachs- tum und eine rasche Folge von Hungersnöten ihre nahrhaften Qualitäten gefragt waren.
Heute ist die Kartoffel, die bei den Inkas bereits vor 4000 Jahren gegessen wurde, eines der sieben Grundnahrungsmittel weltweit. Im deutschsprachigen Raum wurden 1999 -
70 Kilogramm pro Kopf verspeist.
Grosse Anbaugebiete für "Solanum tuberosum", wie der Botaniker die Knolle nennt, gibt es in den Niederlanden, Italien, Zypern, Frankreich, der ehemaligen Sowjetunion, Polen und China.
Kartoffelanbau ist arbeitsintensiv, daran hat sich auch durch den Einsatz landwirtschaft- licher Maschinen nichts geändert. "Wir machen noch sehr viel mit den Händen" stöhnt Ute Hahn ein wenig. Im Februar werden die Saatkartoffeln zum Vorkeimen in Holzkisten gelegt. Ihnen bleibt weniger Zeit zum Reifen als den Winterkartoffeln denn schon ab Ende Juni soll geerntet werden, und so wird mit bereits vorgekeimten Kartoffeln der zeitliche Nachteil ausgeglichen. Ab Mitte März kommen sie mit einem Reihenpflanzgerät auf den Acker, aber vorsichtig, denn die zarten Keime dürfen nicht abbrechen. Später wird mit einer Reihenfräse
der Boden aufgehäufelt und die Pflänzchen bei Bedarf gegen Krautfäule und Käferbefall behandelt.
Wenn der Sommer so naß war, wie in diesem Jahr, wird es schwierig mit der Ernte, zumal auf lehmigem Wetterauer Boden. " Obwohl Kartoffeln, die auf schwerem Boden wachsen, besser schmecken als die, die auf sandigem Boden gezogen wurden", erklärt Ute Hahn.
Überhaupt ist Kartoffel nicht gleich Kartoffel und feste Sorten sind nicht immer fest. Sandige Böden bringen festere Kartoffeln hervor als feuchte und schwere Lehmböden. Ab Ende Juni bis in die Herbstmonate hinein wird geerntet, im September werden die Winterkartoffeln vom Feld geholt, sortiert und eingelagert. Viele Kunden kaufen ab Hof und bei Bestellungen ab 25 Kilogramm liefern Ute und es Helmut Hahn auch aus.

Getreu der Familientradition bis nach Lauterbach.
Stimmt die Qualität nicht, werden die Erdfrüchte zurück genommen. Für einen Händler würde sie die Knollen nicht aus dem Boden zerren, sagt Hahn. Ein enormer Preisverfall habe eingesetzt. Die Bauern machten den Fehler, Massenprodukte auf den Großmarkt zu bringen. Das Liefern sei anstrengender als auf den Markt zu fahren, berichtet die Kartoffel- bäuerin.
Donnerstag (Hanau-Steinheim, Möbel Erbe), Freitag (Büdingen, Industriegebiet) und Samstag (Gelnhausen/Lieblos, Möbel Walter) sind Markttage, dann gibt es die Kartoffeln aus Selters dort zu kaufen.

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